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BHKW Brennstoffe im Überblick

Die Wahl des Brennstoffs beeinflusst Betriebskosten, Nachhaltigkeit und technische Anforderungen eines Blockheizkraftwerks erheblich. Von bewährtem Erdgas über erneuerbares Biogas bis hin zu zukunftsfähigem Wasserstoff: Dieser Ratgeber vergleicht alle relevanten Optionen.

Erdgas: Der Standardbrennstoff für BHKW

Erdgas ist der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Brennstoff für Blockheizkraftwerke in Deutschland. Nahezu alle namhaften BHKW-Hersteller bieten Modelle an, die primär für den Betrieb mit Erdgas konzipiert sind. Ein weitverzweigtes Gasnetz mit hoher Versorgungssicherheit, bewährte Motorentechnik, gute Preisstabilität und ein vergleichsweise niedriger CO2-Ausstoß gegenüber Heizöl machen Erdgas zur bevorzugten Wahl.

Erdgas-BHKW arbeiten in der Regel mit Ottomotoren oder Zündstrahlmotoren. Der Brennwert liegt je nach Qualität bei etwa 10 kWh pro Kubikmeter. Die Zusammensetzung variiert je nach Herkunft (H-Gas oder L-Gas), was bei der Geräteeinstellung berücksichtigt werden muss. Für die Zukunft interessant: Viele Hersteller entwickeln Erdgas-BHKW so, dass sie zukünftig auch Wasserstoff-Erdgas-Gemische verarbeiten können.

Flüssiggas (LPG/Propan): BHKW ohne Gasnetz

Flüssiggas ist eine Alternative für Standorte ohne Erdgasnetzanschluss. Das Gas wird in oberirdischen oder eingegrabenen Tanks auf dem Grundstück gelagert und bei Bedarf entnommen. Die Lieferung erfolgt per Tankwagen. Technisch sind Flüssiggas-BHKW ähnlich aufgebaut wie Erdgas-Geräte, erfordern aber angepasste Vergasereinstellungen und Druckregler.

Flüssiggas ist in der Regel teurer als Erdgas, bietet aber standortunabhängige Flexibilität. Es eignet sich besonders für ländliche Gebiete, Hotels, Campingplätze und Gewerbebetriebe ohne Gasnetzzugang.

Biogas: Erneuerbar und klimaneutral

Biogas entsteht durch anaerobe Vergärung organischer Materialien wie Gülle, Energiepflanzen oder Lebensmittelabfällen. Es besteht hauptsächlich aus Methan (50 bis 75 Prozent) und muss vor der Nutzung im BHKW in der Regel aufbereitet werden, um Schwefelwasserstoff und Feuchtigkeit zu reduzieren. Die CO2-Bilanz von Biogas ist wesentlich günstiger als die von fossilem Erdgas, da das freigesetzte CO2 zuvor von den Ausgangspflanzen gebunden wurde.

Für Betreiber ohne eigene Biogasanlage steht in vielen Regionen aufbereitetes Biomethan im öffentlichen Gasnetz zur Verfügung, das sich ohne technische Anpassungen in Standard-BHKW einsetzen lässt. Je nach Programm kann der Einsatz von Biogas zu erhöhter Förderung führen.

Wasserstoff: Die Brennstoff-Option der Zukunft

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Bei seiner Verbrennung entsteht kein CO2, sondern lediglich Wasserdampf. In Kombination mit einem BHKW kann grüner Wasserstoff zur vollständig emissionsfreien Gebäudeversorgung beitragen. Der flächendeckende Einsatz ist derzeit noch auf Pilotprojekte beschränkt, da die Infrastruktur erst im Aufbau ist.

Einige Hersteller bieten bereits BHKW an, die Erdgas-Wasserstoff-Gemische mit einem Wasserstoffanteil von bis zu 20 oder 30 Prozent verbrennen. Wer heute in ein BHKW investiert, sollte auf H2-Readiness achten, um die Investition langfristig abzusichern.

Holzpellets und der Stirling-Motor: BHKW ohne Gas

Für Gebäude ohne Gasanschluss bietet sich ein Stirling-BHKW mit Holzpellets als Wärmequelle an. Der Stirling-Motor nutzt externe Wärme aus der Pelletverbrennung und wandelt diese in Strom und Nutzwärme um. Stirling-BHKW bieten in der Regel niedrigere elektrische Leistungen (typisch 0,5 bis 1 kW elektrisch bei 6 bis 20 kW thermisch). Sie eignen sich daher eher als Ergänzung zu einer bestehenden Pelletheizung. Mehr dazu auf unserer Seite zum Stirlingmotor-BHKW.

Brennstoffe im Vergleich

Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über die wichtigsten Brennstoffe für BHKW-Anlagen:

Brennstoff Verfügbarkeit Eignung Besonderheit
ErdgasHoch (Gasnetz erforderlich)Alle BHKW-TypenBewährt, günstig, fossil
FlüssiggasGut (Tanklieferung)Erdgas-BHKW mit AnpassungNetzunabhängig, teurer als Erdgas
BiogasRegional (eigene Anlage/Netz)Gasmotoren (mit Aufbereitung)Erneuerbar, CO2-neutral
BiomethanÜber Gasnetz beziehbarAlle Erdgas-BHKWErneuerbar, wie Erdgas einsetzbar
WasserstoffBegrenzt (Aufbau läuft)H2-fähige SpezialgeräteEmissionsfrei, Zukunftstechnologie
HolzpelletsGut (regionaler Handel)Stirling-BHKWErneuerbar, kein Gasanschluss nötig

Den richtigen BHKW-Brennstoff wählen: Schritt für Schritt

Eine strukturierte Vorgehensweise hilft, die beste Option für Ihren Standort zu finden.

1

Verfügbarkeit am Standort prüfen

Ermitteln Sie zunächst, welche Brennstoffe an Ihrem Standort verfügbar sind. Prüfen Sie, ob ein Gasnetzzugang besteht, ob eine Biogasquelle in der Nähe verfügbar ist oder ob Platz für einen Flüssiggastank vorhanden ist. Diese Grundvoraussetzungen schränken die Auswahl erheblich ein.

2

Energiekosten vergleichen

Vergleichen Sie die aktuellen Preise für Erdgas, Flüssiggas und Biogas je kWh Heizwert. Die Energiekosten sind der wichtigste laufende Kostenfaktor. Bereits kleine Preisunterschiede haben über 15 bis 20 Jahre Betriebsdauer erheblichen Einfluss auf die Gesamtwirtschaftlichkeit. Ein Gaspreisvergleich zeigt aktuelle Tarife.

3

Nachhaltigkeit und CO2-Bilanz bewerten

Wenn CO2-Einsparung Priorität hat, sind Biogas, Biomethan oder Holzpellets für Stirling-BHKW sinnvolle Optionen. Für die langfristige Ausrichtung lohnt es sich, bei der BHKW-Wahl auf Wasserstoff-Kompatibilität zu achten, um eine spätere Umrüstung zu ermöglichen.

4

Technische Anforderungen klären

Verschiedene Brennstoffe stellen unterschiedliche Anforderungen. Rohbiogas erfordert eine Gaswäsche vor der Motoreinspeisung. Flüssiggas braucht angepasste Druckregler. Holzpellets funktionieren nur in Stirling-BHKW. Technische Details immer direkt mit dem Gerätehersteller oder einem zertifizierten Fachbetrieb klären.

5

Förderfähigkeit und Förderhöhe prüfen

Prüfen Sie vor der Entscheidung, wie sich die Wahl des Brennstoffs auf die Förderfähigkeit auswirkt. Biomethan- und Biogas-BHKW können je nach Programm von günstigeren Bedingungen profitieren. Aktuelle Informationen gibt es beim BAFA und bei der KfW. Mehr dazu auf unserer Förderseite.

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Häufige Fragen zu BHKW-Brennstoffen

Welcher Brennstoff ist für ein BHKW am besten geeignet?

Erdgas ist der am weitesten verbreitete und in der Regel wirtschaftlichste Brennstoff. Wo kein Gasnetz verfügbar ist, bietet sich Flüssiggas an. Für maximale Nachhaltigkeit eignen sich Biogas oder Biomethan, für Standorte ohne Gasanschluss Holzpellets mit einem Stirling-BHKW.

Kann ein BHKW mit Biogas betrieben werden?

Ja. Biogas hat eine ähnliche Zusammensetzung wie Erdgas und kann in vielen handelsüblichen BHKW-Modellen eingesetzt werden, sofern der Methangehalt ausreichend hoch und das Gas von Schwefelwasserstoff und Feuchtigkeit befreit wurde. Biomethan aus dem öffentlichen Gasnetz lässt sich ohne technische Anpassungen in Standard-Erdgas-BHKW nutzen.

Ist Wasserstoff als BHKW-Brennstoff bereits verfügbar?

Wasserstoff als BHKW-Brennstoff befindet sich noch im Aufbau. Es gibt erste Pilotprojekte und H2-fähige Motoren, aber die öffentliche Infrastruktur ist noch begrenzt. Einige Hersteller bieten BHKW an, die Wasserstoff-Erdgas-Gemische verbrennen können.

Wie viel günstiger ist Erdgas im Vergleich zu Flüssiggas?

Erdgas ist in der Regel günstiger, da keine Tanklieferung und keine Tankmiete anfallen. Die genauen Preisunterschiede hängen von Region und Tarif ab. Ein Gaspreisvergleich auf gaspreisvergleich24.de zeigt aktuelle Konditionen für Ihren Standort.

Kann man bei einem bestehenden BHKW den Brennstoff wechseln?

Ein Wechsel von Erdgas auf Flüssiggas oder Biomethan ist bei vielen Modellen mit technischen Anpassungen möglich. Ein Wechsel auf Wasserstoff erfordert in der Regel umfangreiche Umrüstungen oder ein neues Gerät. Sprechen Sie immer zuerst mit dem Hersteller Ihrer Anlage.

Sind BHKW mit Biogas stärker gefördert als Erdgas-BHKW?

Je nach aktueller Förderlage können BHKW mit erneuerbaren Energieträgern von günstigeren Bedingungen profitieren. Die genauen Förderbedingungen sind beim BAFA und bei der KfW zu prüfen, da sich diese regelmäßig ändern können.

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